Gedanken zu Weiblichkeit und Männlichkeit

Immer wieder begegnet mir das Thema Weiblichkeit und Männlichkeit mit all seinen Facetten. Als persönliches Lebensthema, im Bekannten- und Verwandtenkreis, im Beruf, in der Politik und erst kürzlich bei einem ganz wundervollen Abend in weiblicher Gemeinschaft. Im Rahmen dieses Beisammenseins diskutierten wir Worte wie „Emanzipation“ und „Feminismus“. Ich möchte euch meine Gedanken dazu mitteilen und euch einladen, euch eure Gedanken zu machen, mitzudiskutieren und euch bewusst zu werden – was ist für euch Weiblichkeit und Männlichkeit?

Mir, die ich neben meiner Mutter in einem Männerhaushalt mit 3 älteren Brüdern aufgewachsen bin und viele Jahre in einem männerdominierten Beruf gearbeitet habe, war „Frau sein“ eher fremd. Die äußeren Attribute haben mich zwar als solche ausgewiesen, aber was das wirklich bedeutet, darf ich erst jetzt so richtig erleben und genießen. In der Familie galt es, mich zu behaupten, genauso in den Bäumen rumzukraxeln wie meine Brüder, bei traurigen Filmen nicht zu weinen und „kein Mädchen“ zu sein. Im Beruf keine Schwächen zeigen, durchsetzen, kämpfen!
Dabei ist Frau zu sein einfach nur schön! In den letzten Jahren habe ich bei meiner schamanischen Ausbildung und meiner Weiterbildung in Transaktionsanlyse viel Selbsterfahrung erleben dürfen und weiß jetzt „Frau sein“ erst richtig zu schätzen und genieße vor allem die Gemeinschaft mit anderen Frauen.

Für mich ist heile weibliche Energie:
– einfach nur „zu sein“
– Gemeinschaft
– nähren, für andere und mich sorgen
– Gesamtheit
– Weichheit
– Gefühl

Die heile männliche Energie:
– schafft Strukturen
– gibt Sicherheit
– setzt Grenzen und Rahmen für sich und andere
– setzt sich durch
– baut auf Individualität
– nährt gesunden Wettbewerb

Welche Attribute findet ihr?

Jede Frau hat männliche Energie in sich und jeder Mann weibliche. Auch eine Frau setzt Grenzen und ergänzt sich somit mit der männlichen Energie. Und ein Mann zeigt Gefühl und geht in Symbiose mit der Frau.
„Feminismus“ und „Emanzipation“ habe ich teilweise als Kampf gegen den Mann kennengelernt, was ich sehr schade finde und die Waage ebenso kippen lässt, wie der Jahrhunderte währende Kampf des Mannes gegen die Frau.
Was genau steckt hinter den Worten „Gleichberechtigung“ und „Gleichbehandlung“?
Ich möchte nicht „gleich behandelt“ werden. Denn jeder Mensch ist ein Individuum und benötigt seine ganz eigene „Behandlung“. Als Führungskraft erlebe ich das jeden Tag. Jeden gleich zu behandeln ist schwierig und auch nicht zielführend. Ähnlich verhält es sich mit „Gleichberechtigung“ – ein sehr schwieriges Wort. Was ist Gleich-be-recht-igung? Jeder ist berechtigt? Wofür? Macht es Frauen nicht einen enormen Druck, die Gleichberechtigung zu leben, indem sie sich mit Männern z. B. im Beruf messen? Mir ging es so! Was macht es mit einer Frau, die aufgrund einer Quote ihren Job bekommen hat? Hat das etwas mit Gleich-be-recht-igung zu tun?

An unserem Frauenstammtisch fanden wir ein ganz wunderbares Wort, das mir so aus dem Herzen spricht – „GLEICHWERTIGKEIT“. Jeder Mensch hat den gleichen Wert. Jede Frau darf gleich-wert-ig ihre Weiblichkeit in dem von ihr erwählten Weg leben. Genauso darf jeder Mann gleich-wert-ig den von ihm gewählten Weg gehen und leben. Ohne Druck – einfach sein. Auf Augenhöhe sein. Miteinander sein!

Ich habe das große Glück, mit meinem Mann diese „GLEICHWERTIGKEIT“ leben zu dürfen. Er setzt den Rahmen, hält den Raum und ich nähre, sorge und organisiere.
Und so versuche ich jeden Tag mit meinem Tun, im Umgang mit meinen Mitmenschen, mit Tieren und Pflanzen und in meiner Beziehung das Pflänzchen der GLEICH-WERT-IGKEIT zu pflanzen mit der Vision, dass das Pflänzchen weit verzweigte Wurzeln ausbildet und sich als Netz um die ganze Welt spannt.

Wollen wir gemeinsam dieses Pflänzchen nähren?